Nur wer mit Herz bloggt, gewinnt Kunden

Als ich das “I Am Fotostudio” betrete, gefällt es mir auf Anhieb. Zurückhaltend eingerichtet, stilvoll, nicht zu überladen, das mag ich. Florian Beier hat mich hereingebeten. Zusammen mit Jakob Marek Jeske gehört ihm dieses Studio. Das Besondere an diesem Treffen ist aber eigentlich nicht das schöne Studio, sondern dass ich auf die Fotografen über Youtube aufmerksam geworden bin. Flo und Jakob nutzen fleißig die verschiedensten Social Media-Kanäle, um sich und ihre Arbeit zu präsentieren. Im Interview berichtet Florian von seinen Erfahrungen und wir gehen der Frage nach, warum Selbständige die sozialen Medien nutzen sollten.

Marek und Beier Fotografen

Wie war dein Werdegang zum Fotografen?

Ich bin ein absoluter Quereinsteiger. Erst habe ich eine Bankausbildung gemacht, aber das hat mich mit der Zeit einfach nicht mehr interessiert. Ich wollte lieber mit etwas Künstlerischem Geld verdienen. Gemeinsam mit meinem besten Freund Jakob, den ich seit der ersten Klasse kenne, habe ich mich dann für die Fotografie entschieden. 2007 haben wir uns selbstständig gemacht.

Wir waren damals völlig grün hinter den Ohren, hatten aber das Glück, dass wir durch Zufall gleich an große Kunden geraten sind. Deshalb haben wir erst einmal Image und Werbung fotografiert. Aber das war mir zu seelenlos. Wir dachten, wir müssen irgendwas machen, wo wir unsere Kernkompetenz ausspielen können, nämlich den Umgang mit Menschen. Wir haben fast ein Jahr lang nichts anderes getan als zu überlegen und zu konzipieren. Wir wollten normale Menschen so fotografieren, dass sie aussehen wie aus dem Magazin, ohne Photoshop. Einfach die beste Version von sich selber sein, denn jeder ist auf seine Weise schön.

Ihr präsentiert euch und eure Arbeit auf den unterschiedlichsten Social Media-Kanälen. War es eine bewusste Entscheidung soziale Medien zu nutzen?

Ganz zu Beginn hätte ich wahrscheinlich gesagt, Social Media ist Quatsch und viel zu mühsam. Außerdem gibt es so ein Überangebot, da ist es schwer herauzustechen. Aber wir hatten einfach Lust zum Beispiel Youtube zu nutzen und deshalb auch gezielt damit angefangen. Ich wollte meine Botschaft, dass jeder Mensch das Potenzial hat schön zu sein, verbreiten und dann habe ich mich einfach vor die Kamera gestellt und losgequatscht. Dann hat sich das ganz von allein entwickelt und wir haben immer mehr Menschen erreicht.

Wie das gelaufen ist finde ich gut. Eine Firma die zu schnell wächst, fällt oft auch schnell wieder. Bei uns hat es 7 Jahre gedauert, bis wir wirklich davon leben konnten. Diese natürliche Entwicklung hat uns gut getan.

Deine Botschaft zu vermitteln ist dir das Wichtigste. Bereitest du deine Inhalte für die verschiedenen Social Media-Kanäle anders auf?

Ja, das ist schon zielgerichtet. Ich versuche, dieselbe Geschichte auf Facebook anders aufzuziehen als beispielsweise auf Instagram. Instagram und Twitter sind viel mehr auf mich als Person bezogen – auf unserem Youtube-Kanal Marek und Beier Fotografen präsentieren wir stärker unsere Arbeit. Aber ich will betonen, dass man sich nicht verstellen sollte. Man präsentiert auf den unterschiedlichen Kanälen nur andere Facetten.

Warum ist es für Fotografen im Speziellen so wichtig, soziale Medien zu nutzen?

Ganz klar: um ihre Bilder zu verbreiten! Dabei sollte man keine Angst haben, dass die Bilder gestohlen werden. Das Internet ist voller Bilder, aber wenn ihr gut seid, dann wird es auf euch zurückfallen. Ich habe da eine Lehre für alle Fotografen erfunden: “Die schlechtesten Fotografen schreiben ihren Namen am Größten auf ihr Bild.” Macht das nicht, das entwertet die Bilder total. Nutzt Social Media als Chance, euch bekannt zu machen, und wenn jemand das Bild klaut, dann macht ihr eben noch ein besseres.

Ihr habt auch einen Blog, der regelmäßig mit Inhalten befüllt wird. Darin steckt viel Arbeitszeit, die nicht direkt zu Geld gemacht werden kann. Warum lohnt sich das Führen eines Blogs trotzdem?

Jeder der über die sozialen Netzwerke auf uns aufmerksam wird und dann zu uns ins Fotostudio kommt, sagt: “Was man in deinen Videos oder Worten spürt, spürt man auch, wenn man dich persönlich kennenlernt.” Und ich bin ein ganz großer Verfechter davon, dass dieser Vertrauensvorschuss unbezahlbar ist. Eine Kaufentscheidung wird mit dem Bauch gefällt und deshalb lohnt sich ein ganz persönlicher Blog. Jeder weiß, dass der Typ, der das geschrieben hat, kein Holzkopf ist. Sondern sie wissen – der hat Herz!

Wie lange hat es gedauert, bis ihr Feedback oder Rückmeldung zu eurem Blog bekommen habt?

Das hat bestimmt ein halbes Jahr oder Jahr gedauert. Aber ich habe auch zu Beginn immer an den Blog geglaubt und inzwischen sind die Zugriffe ganz ordentlich. Und Blogs, das darf man nie vergessen, sind für die Suchmaschinenoptimerung extrem relevant. Wenn du einen guten Artikel mit den richtigen Worten schreibst, dann wirst du im großen See der Dienstleistungen auch gefunden. Deswegen gilt: je mehr du schreibst, desto mehr Menschen werden es lesen und dich oder dein Unternehmen kennen lernen.

Welche Voraussetzungen sollten Unternehmen haben, um verstärkt über Social Media Kunden zu gewinnen?

Sie sollten kreativ sein. Und wenn sie es nicht sind, dann brauchen sie jemanden, der das für sie übernimmt. Vielleicht kann ein Mitarbeiter die Kanäle viel besser betreuen. Und wenn er gut gebrieft ist, steht dem doch nichts im Weg. Aber halbherzige Inhalte sind eher kontraproduktiv, dann lieber bleiben lassen.

Ist es nicht total anstrengend so viele Kanäle zu betreuen – neben dem eigentlichen Beruf?

Selten. Ich habe da einen Tipp: Man kann sich einen Zeitpunkt am Tag immer freihalten und das Posten immer dann  erledigen. Am besten dann, wenn deine Zielgruppe am aktivsten ist. Wenn man keinen festen Termin hat, schiebt man es gerne auf. Darum muss man dranbleiben und wenn es dann mal läuft, macht das so viel Spaß, dass es fast von alleine geht.

Du konntest jetzt schon deine Erfahrungen als Selbständiger, der die sozialen Medien nutzt, sammeln. Was möchtest du Freiberuflern, die mit Social Media starten wollen, mit auf den Weg geben?

Der wichtigste Tipp ist, dass sie wissen sollten, dass sie wertvoll sind. Verkauft euch nie unter dem Preis oder macht etwas gratis. Außer mal für Freunde, Familie, das ist klar. Selbst wissen, was man wert ist, ist das Wichtigste! Und speziell bei Social Media solltet ihr mal mit einem Kanal starten und dann ausprobieren, was noch zu einem passt. Dann entwickelt sich das mit der Zeit. Social Media wird aber nur klappen, wenn man authentisch ist und Spaß daran hat.

Bildquellen: © Marek Beier Fotografie

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Florian Beier

Über Flo Baier:

Florian ist an vielen Fronten unterwegs. Seit mehr als 10 Jahren betreibt er mit seinem Freund Jakob Marek das Fotostudio „I Am“ in München. Auf seinem Blog lernt man ihn und seine Arbeit noch einmal ganz anders kennen. Weil das noch nicht reicht, findet man ihn auch noch auf You Tube.

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