Mit neuem Blog nochmal durchstarten

Der Modedesignstudent Frank schreibt auf seinem Lifestyle Blog Frank Lin über Männermode und sein eigenes Leben. Schon im Jahr 2007 hat Frank damit angefangen. Fast schon ein alter Hase in der Bloggerszene also. Wir haben ihn zum Interview getroffen und erfahren, warum er seinen ersten Blog aufgegeben hat, um danach noch einmal durchzustarten. Wenn der erste Blogversuch nicht so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat, ist das kein Scheitern. Franks Motto: Niemals aufgeben, sondern weitermachen!

Frank-Lin-Blog

Medianauten: Lieber Frank, magst du dich und deinen Blog bitte einmal vorstellen?

Ich bin Modedesignstudent, 22 Jahre alt und auf meinem Blog poste ich Bilder von meinen Outfits und Looks. Damit möchte ich andere Männer inspirieren und Impulse setzen, ohne über aktuelle Trends oder Modeansichten zu fachsimpeln. Ich erzähle auch aus meinem persönlichen Leben. Mein Blog hat sich aber über die Zeit stark verändert.

Wie war er denn mal?

Als ich 2007 angefangen habe, wollte ich nur schreiben. Ich habe meine Gedanken, pseudophilosophische Texte und Geschichten aus meinem Privatleben niedergeschrieben. Es war spannend, diese mit einer anonymen Gruppe zu teilen. Dieser Blog war aber streng geheim. Meine Familie und Schulkameraden wussten nichts davon und das sollte auch so bleiben. Denn wenn man mich persönlich und meinen Blog kannte, dann wusste man zu viel über mich. Das wollte ich verhindern. Dementsprechend war mir Reichweite damals noch gar nicht wichtig. Im Gegenteil! Als Arbeitskollegen davon mitbekommen haben, habe ich den Blog ganz plötzlich geschlossen. Nach einer Auszeit habe ich wieder angefangen. Auf dem neuen Blog habe ich mich als Person überhaupt nicht mehr thematisiert, sondern nur meine Fotografie gezeigt. Den Leuten hat aber das Private gefehlt. Als ich mein Modedesignstudium begonnen habe, wollte ich dann noch einmal neu durchstarten. Ich habe die Branche, in der ich jetzt tätig bin, mit der Ursprungsidee meines Blogs verbunden – ein Lifestyleblog über Männermode, aber auch mit persönlichen Gedanken.

Hast du negative Erfahrungen gemacht, als du deinen ersten, ganz persönlichen Blog geschlossen hast?

In erster Linie war es mir unangenehm. Damals war Bloggen ganz neu, nur wenige Menschen haben das gemacht. Wir waren eine Gemeinschaft und haben uns gegenseitig sehr stark unterstützt. Leute in der Schule hingegen haben einen dafür belächelt. Sie dachten sich, ich würde mich so wichtig fühlen, dass ich eine eigene Plattform brauche. Das war mir unangenehm und ich konnte nicht mehr so offen sein.

Wie funktioniert der Blogstart?

Die erste Überlegung sollte sein, warum man anfangen will zu bloggen. Gerade heutzutage haben viele den Gedanken, dass sie ihren Blog starten und nächstes Jahr davon leben können. Aber wenn man nur Geld verdienen will, dann beeinflusst das die Art, wie man schreibt und mit Kooperationspartnern umgeht. Mein Blog sollte nie kommerziell werden, das war nie die Idee. Aber irgendwann kamen die Anfragen und man tendiert dazu, viele Angebote anzunehmen, die man eigentlich nicht annehmen sollte. Am Anfang ist alles so aufregend und man lässt sich vielleicht zu schnell auf Werbepartner ein. Inzwischen lehne ich circa 80% aller Anfragen ab, weil die Produkte nicht zu mir passen. Glaubwürdigkeit und Authentizitität sind sehr wichtig. Welchen Fehler ich jetzt langsam erst richtig merke ist, dass ich mich nicht mit SEO beschäftigt habe. Das hat mich nicht interessiert, aber jetzt, wo es darum geht, Reichweite zu bekommen, ist das natürlich wichtig. Mit Suchmaschinenoptimierung hätte ich am besten vor einem Jahr angefangen. Man sollte sich in dieses Thema im Vorfeld auf jeden Fall einlesen.

Sehr viele Menschen schreiben über Mode. Wie stichst du heraus?

Ich habe gar nicht das Bedürfnis herauszustechen. Mein Stil ist im Moment eher schlicht, einfach, weil ich nicht das Bedürfnis habe, mich zu kostümieren. Ich denke, dass sich viele Männer für Mode interessieren. Aber oft haben sie nicht den Mut oder das Bedürfnis, sich damit auszudrücken. Ich hingegen interessiere mich wahnsinnig für Mode, ich studiere Mode, mache Mode. Aber trotzdem muss ich nicht wie ein Paradiesvogel herumlaufen. Das Besondere an mir ist vielleicht, dass ich kein Regelwerk aufstelle. Viele Männer können sich mit diesem schlichten Stil identifizieren.

frank-lin-blog-diary

Was macht deiner Meinung nach einen Fashion-Blog erfolgreich?

Es gibt zwei bis drei Männerblogs, die ich ganz toll finde und die überzeugen mich in erster Linie über die Bildsprache. Mode ist ja nicht nur Kleidung, sondern hängt mit sehr vielen anderen Aspekten zusammen. Wenn man ein Outfit postet, dann ist es toll, wenn man eine passende Szenerie wählt und eine eigene Stimmung dazu vermittelt. Wer mit Mode eine Geschichte erzählen kann, der begeistert mich. Erfolgreiche Blogger haben einen roten Faden und bleiben dieser Linie treu. Wiedererkennungswert ist sehr wichtig. Gerade bei den Mädels sind sich die Blogs sehr ähnlich und da fragt man sich dann schon: Warum sollte ich den lesen und nicht den!?

Du studierst Modedesign. Beeinflusst das deinen Blog?

Total! Ich kenne Mode jetzt aus vielen, verschiedenen Bereichen heraus. Ich habe bei einer Modelagentur gearbeitet, Mode verkauft und jetzt habe ich Einsicht in den Entstehungprozess. Das beeinflusst mich als Konsument, als Designer und somit auch als Blogger. Ich habe durch meine Praxiserfahrung viel Wissen darüber, auf was man bei Klamotten achten sollte. Ich achte sehr auf Qualitäten und Verarbeitung. Das beeinflusst auch mit, wem ich kooperiere. Mir ist wichtig geworden, dass ich voll und ganz hinter den Produkten stehe, weil ich weiß, worauf es ankommt.

Auch die Fotografie ist deine Leidenschaft. Versuchst du dich mit deinem Blog auch als Fotograf zu etablieren?

Inzwischen ist die Fotografie nur noch ein Hobby. Das kann ich inzwischen sagen, da ich auch mal kommerziell fotografiert habe. Aber auf Auftragsbasis, würde ich das nicht mehr machen wollen. Jeder zweite nennt sich heute Fotograf, nur weil er eine Spiegelreflexkamera hat. Das ist sehr schade für Leute, die das Handwerk gelernt haben oder wahnsinnig großes Talent haben. Ich nenne mich auch selbst nicht mehr Fotograf.

Wie erstellst du in der Regel deine Bloginhalte?

Meine Beiträge entstehen nie gleich. Manchmal habe ich ein richtiges Konzept und manchmal ist alles ganz spontan. Ich schaue in meinen Kleiderschrank und überlege mir, wie und wo ich diese Klamotten inszenieren möchte und welche Stimmung ich vermitteln möchte. Das ist total schwierig, da ich die Fotos ja nicht selber mache, sondern jemand anderes. Es wäre wahrscheinlich einfacher, wenn ich die Klamotten jemandem anziehen könnte und ich dann die Fotos machen würde.

Welche Social Media-Kanäle verwendest du und wie wichtig sind sie für dich?

Aktiv bin ich nur auf Facebook und auf Instagram. Gerade Instagram (@frank_lin_de) ist sehr wichtig für mich. Dort ist mein Wachstum sehr hoch und meine Follower werden immer mehr. Wahrscheinlich, weil Instagram international ist. Mir haben schon Follower geschrieben, dass sie meinen Instagram-Account toll finden, aber meinen Blog leider nicht lesen können.

Deshalb schreibst du wahrscheinlich auch auf Englisch auf Instagram. Hast du mal überlegt, deinen Blog in englischer Sprache zu schreiben?

Im Moment ist das tatsächlich in Planung. Gerade schreibe ich auf Deutsch und auf Englisch, will das aber demnächst auf Englisch begrenzen. Ich denke, dass es mehr Männer in Frankreich, Italien oder in Nordeuropa gibt, die sich für Mode interessieren als der deutsche Durchschnittsmann. Dementsprechend möchte ich meinen Blog für alle öffnen. Manchmal fällt mir das nicht so leicht, weil ich mich im Englischen nicht so ausdrücken kann wie auf Deutsch. Aber ich bemühe mich sehr und denke, dass es auf lange Sicht besser für mich ist. Vor allem als auch angehender Designer!

Blog Frank Lin

Wie verdienst du Geld mit deinem Blog?

Meistens über Kooperationen, in denen ich als Markenbotschafter fungiere. Von Affiliate-Links halte ich nicht so viel.

Und was sollte man bei seinen ersten Einnahmen beachten?

Die Intention eines Blogs sollte nie Geldverdienen sein, denn das merken die Leser. Ich zumindest merke das sehr schnell wenn jemand nur deswegen schreibt und finde das sehr unsympathisch und unglaubwürdig. Ich habe nichts gegen Produktplatzierungen. Man hat schließlich eine Plattform mit Reichweite aufgebaut und dann ist es naheliegend, dass man damit Geld verdient. Aber man darf nicht für alles und jeden Werbung machen, das geht schief. Ich würde nur für etwas werben, hinter dem ich auch stehe. Ich platziere auch so Produkte, ohne dass ich Geld dafür bekommen, wenn sie mir wirklich gefallen und ich dahinterstehe.

Was ist dein schönstes Blogging-Erlebnis bisher?

Als alles noch ganz neu war hat ein großer, deutscher Onlineshop bereits mit mir zusammengearbeitet. Obwohl er wusste, dass meine Besucherzahlen noch nicht hoch sind. Ich wurde dann nach Berlin zu einem Weihnachtsdinner eingeflogen. Das war so toll, weil mir bestätigt wurde, dass die ganze Arbeit, die ich investiert habe es wert war. Und dann findet irgendjemand da draußen toll, was du machst und schätzt es wert. Das war ein tolles Gefühl!

Wie lange hast du denn ‘ins Leere’ gebloggt, bis Anfragen kamen?

Tatsächlich war das gar nicht so lange, vielleicht ein halbes Jahr. Aber das war eben der neue Blog. Ich habe ja schon 2007 damit angefangen und ohne diese Erfahrung wäre das niemals so schnell gegangen. Ich wusste eben schon wie man fotografiert und wie man einen Blog führt.

Was hast du dir für deinen Blog vorgenommen?

Ich stehe den Dingen ganz offen gegenüber. Es entwickelt sich gerade so eine Art Eigendynamik. Ich lerne immer mehr Blogger, Agenturen oder Fotografen kennen und kann sehen, was sich daraus entwickelt. Ich verfolge nicht mehr stur ein Ziel. Gerade durch mein Studium werden sich Türen öffnen, die ich jetzt vielleicht noch gar nicht sehe. Gerade läuft es gut mit meinem Blog und ich freue mich, wenn das so weitergeht. Aber ich bleibe ganz gespannt!

Was würdest du angehenden Bloggern mit auf den Weg geben?

Wenn ihr anfangt zu schreiben, habt eine Botschaft! Versucht etwas neues zu erschaffen. Es wird auf lange Sicht derjenige bleiben, der etwas zu sagen hat und nicht derjenige der wahllos Produkte platziert. Verkauft nicht eure Seelen! Und wenn ihr angefangen habt, dann gebt nicht auf. Irgendwann wird jemand kommen der euch gut findet und euch unterstützt. Spätestens dann hat sich der Aufwand gelohnt.

Bildquelle: Alle Bilder © Frank Lin

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