Svenja Walter: Gute Texte sind harte Arbeit

Svenja ist Bloggerin der ersten Stunde. Vor 7 Jahren hat sie mit einem klassischen Mutterblog angefangen, um entfernte Verwandte an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Inzwischen sind ihre Kinder schon älter und die Themen auf MeineSvenja haben sich verändert. Aber etwas ist gleich geblieben: die brennende Leidenschaft fürs Bloggen! Wir haben uns mit Svenja unterhalten und nachgefragt, worauf es dabei ankommt.

Medianauten: Liebe Svenja, magst du dich und deinen Blog einmal vorstellen?

Ich habe angefangen zu bloggen, als das noch sehr wenige gemacht haben. Ich war schon immer sehr amerikaorientiert und habe früh davon mitbekommen. Konkret habe ich dann 2008 begonnen, als meine Kinder zwei und vier Jahre alt waren. In dieser Zeit habe ich viel gebastelt, gekocht oder Feste veranstaltet. Alles, was eben als Mama dazugehört. Der Blog wurde irgendwann professionell, aber zuerst, ohne damit Geld zu verdienen.

Warum setzt du auf eine Vielfalt an Themen und konzentrierst dich nicht gezielt nur auf eins?

Wenn ich darauf achten würde, dass meine Leserzahlen immer weiter steigen, dann würde ich nur auf ‘Basteln’ setzen. Aber das ist nicht meine Auffassung vom Bloggen. Ein Blog muss die Persönlichkeit eines Menschen widerspiegeln. Deshalb sollte man nicht nur auf Themen setzen, die gerade angesagt sind. Ich plane meine Themen schon vor, allerdings nach Lebenslage und nicht mit dem Gedanken, was sie mir bringen könnten. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich heute Rezepte veröffentlichen will, dann mache ich das. Das nächste halbe Jahr kommen dann vielleicht keine. Man sollte nur darauf achten, dass man eine gute Mischung anbieten kann.

Wie findet man das richtige Thema für seinen Blog?

Es muss etwas sein, für das du leidenschaftlich brennst. Wenn dir nicht sofort 100 Themen für Blogposts einfallen, dann braucht man gar nicht anfangen. Das kleinste Problem sollte sein, dass du Themen findest. Das größere Problem ist meistens, dass du es schaffen musst, zeitlich alles hinzubekommen. Du musst Fotografieren lernen, die Technik beherrschen, Texte optimieren, E-Mails beantworten. Es klingt absurd, aber tatsächlich ist Bloggen der kleinste Teil vom Bloggen.

Welche Eigenschaften hat ein Blog, den du gut findest?

Ich lese tatsächlich kaum Blogs. Das ist so ein bisschen eine Bloggerkrankheit. Man ist so beschäftigt mit der eigenen Arbeit, dass man dafür kaum Zeit findet. Ich hole mir auch keine Inspiration von anderen Blogs, weil man sofort anfängt, sich zu vergleichen. Irgendjemand ist immer besser, interessanter, bunter und das kann frustrierend sein. Manche Blogs finde ich aus Marketing Sicht total spannend. Andere haben vielleicht tolle, neue Formatideen, die mich inspirieren.

Wie gehst du in der Regel vor, wenn du einen neuen Blogspost erstellst?

Ich habe eine Idee und schreibe die sofort auf. Dafür brauche ich nicht länger als 30 Minuten. Allerdings verdiene ich schon seit über 15 Jahre mit Schreiben mein Geld. Es fällt mir leicht. Was viel länger dauert ist, wenn ich einen Text für Suchmaschinen optimieren muss oder wenn ich ein zusätzliches Bild brauche – eben alles, was nach dem Schreiben kommt. Ich mache nicht viel mit Social Media, weil mein Blog nicht darauf ausgerichtet ist, die Leserzahlen ständig zu steigern. Sondern ich möchte Menschen, die ähnlich leben wie ich, ein Leben lang begleiten.

Worauf kommt es bei einem guten Blogtext an?

Ich denke, das ist ein Text, bei dem man sich traut, das zu schreiben, was man denkt. Ohne etwas zu zensieren, ohne Leute anzugreifen oder sich immer nur zu beschweren. Man zeigt seine Sicht auf die Welt, mit den Mitteln, die man hat. Und wenn das ehrlich ist, dann ist das ein guter Blogtext.

Ein Text kann toll geschrieben sein, wenn ihn niemand liest, dann ist die Arbeit umsonst. Was muss man beachten, um seinen Text im Internet findbar zu machen?

Für das Internet zu schreiben und einfach nur schreiben, ist nicht das Gleiche. Onlinetexte zu verfassen ist ein eigenes Handwerk, das man richtig lernen muss.

Um gefunden zu werden, ist das Wichtigste, dass man das richtige Keyword findet. Das hat ganz wenig damit zu tun, dass man mit dem Keywordplanner nachschaut. Sondern ganz viel damit, wie gut man seine Zielgruppe kennt. Das stärkste Keyword wird nicht zwingend von deinen Lesern gesucht. Die Menschen, die denken, dass sie nur Tools bräuchten, liegen falsch. Vor allem, wenn sie sich strikt an die Empfehlungen halten. Sie können helfen, wenn man am Anfang noch keine Ahnung hat, aber was dann zählt, ist Erfahrung. Du kannst alle Tricks beachten und dann landest du vielleicht bei Google auf Platz 1, aber wenn du nicht gut schreibst, dann bringt dir das nichts. Die Leute fangen an zu lesen und sind sofort wieder weg. Um im Internet gefunden zu werden, kommt ganz viel zusammen. Du musst die Tools kennen, die Sprache beherrschen und trotzdem emotional bleiben.

Und was hältst du von der Angst, dass SEO den persönlichen Schreibstil verfälschen könnte?

Das ist total richtig! Deshalb sollte man SEO nur bei bestimmten Texten anwenden. Ganz ehrlich, Texte verlieren immer durch die Optimierung. Deshalb mache ich das bei sehr persönlichen Texten auch nie. Texte über das Basteln oder Kochen sind hingegen immer für Suchmaschinen optimiert. Die Leute suchen ganz klar nach bestimmten Begriffen und ich habe die ensprechenden Inhalte. Wenn ich aber über persönliche Gedanken schreibe, zum Beispiel über die Rolle der Frau heuzutage, dann gibt es kein Keyword. Oft sind es die Texte, die einem besonders am Herzen liegen, die nicht gesucht werden. Deshalb musst du die anderen Dinge optimieren, um Leser auf deine Seite zu bekommen.

Hast du Tipps, wenn man erste Einnahmen mit seinem Blog generieren möchte?

Du brauchst erstmal ein Publikum! Ich habe fünf Jahre gebloggt, bis ich die ersten Einnahmen hatte. Das wollen die Leute meistens nicht hören. Naturalien erhält man relativ schnell. Aber es reicht nicht, wenn man nur irgendein Kosmetikprodukt in die Kamera hält. Klar, man muss sich das erlauben können, erst einmal so viel Zeit zu investieren. Aber um eine treue, konstante Leserschaft zu bekommen, zahlt sich das aus.

Und wie managed du es, dass du deine Aufgaben alle unter einen Hut bekommst?

Ich habe eine totale Disziplin. Wenn ich etwas erreichen will, dann schaffe ich das. Natürlich gibt es Momente, da hast du gar keine Lust und Kraft mehr. Gerade sehen meine Tage so aus, dass ich um 4:30 aufstehe und bis 6:20 an meinem Blog arbeite. Danach mache ich die Kinder fertig und schicke sie zum Schulbus. Bis circa 12:45 arbeite ich und mache Sport, bis die Kinder zurückkommen. Dann bin ich für sie da. Es gibt Mittagessen und wir machen Hausaufgaben. Der Großteil meiner Arbeit ist bis Mittag erledigt, aber ich stehe eben dafür um halb 5 auf.

Was ist, neben dem Zeitmanagement, für Mamablogger wichtig?

Es gibt dazu viele verschiedene Meinungen, aber ich finde es wichtig, dass man seine Kinder auf dem Blog zeigt. Die Show ‘Germanys next Topmodel’ funktioniert auch nicht, ohne dass man die Models sieht. Wenn ich über meine Familie schreibe, dann muss man die auch sehen können. Ich verstehe, dass man seine Kinder schützen will, aber dann sollte man sich ein anderes Thema aussuchen. Wer einen Mutterblog machen will, sollte zeigen, was Sache ist. Wenn ich jetzt neu beginnen würde, dann würde ich mich fragen, was mein Alleinstellungsmerkmal ist. Es gibt schon wahnsinnig viele Mütterblogs und man muss schon irgendwas anders machen als alle anderen. Es ist gar nicht so schlecht, sich Überlegungen in Richtung Marketing zu machen, bevor man einen Blog startet.

Ich habe gesehen, dass du “nur” auf Pinterest und auf Facebook aktiv bist. Warum?

Weil meine Leute dort sind. Mütter sind nicht auf Twitter. Natürlich gibt es da auch welche, aber der Großteil eben nicht. Ich habe auch “nur” 7000 Fans auf Facebook. Ein einziges Mal habe ich eine Anzeige auf Facebook geschaltet für insgesamt 16 Euro. Das hat mir 200 Fans gebracht. Das sind die einzigen Fans, die nicht organisch gekommen sind. Aber ich habe beobachtet, was diese Fans so gemacht haben. Nichts! Nicht kommentiert, sind nicht wiederkommen, haben nichts geteilt. Ich setze nur auf organisch kommende Fans.

Und bereitest du deine Inhalte für Facebook anders auf, als für deine Website?

Das Foto ist meistens das Selbe. Aber das liegt vor allem daran, dass ich immer schon froh bin, wenn ich überhaupt ein gutes Bild habe. Der Text hingegen ist völlig anders! Ich gehe auf Facebook und schaue, was in meiner Timeline los ist. Ich frage mich: Wie ist das Wetter? Was ist für ein Tag? Wie war mein Tag? Und was ist in der Welt passiert? Danach erst schreibe ich drei bis vier Zeilen, mehr nicht. Diese Zeilen sind meine Chance, zu diesem Zeitpunkt meinen Lesern so nah zu kommen, als würde ich mit ihnen am Tisch sitzen. Ich würde nie eine automatische Vorschau anzeigen lassen, die klicke ich immer gleich weg. Einfach ein paar Zeilen, Link darunter und ein Bild.

Was würdest du angehenden Bloggern mit auf den Weg geben?

Ich würde ihnen raten, dass sie sich gut überlegen sollten, ob sie das wirklich wollen. Kein Mensch weiß, wie viel Arbeit das ist. Bloggen bestimmt zu großen Teilen deinen Lebensrhythmus. Meine Kinder wundern sich zum Beispiel, wenn ich in den Ferien das Essen nicht fotografiere, bevor wir es essen. Bloggen wird Teil des Familienlebens. Die Kinder fragen, ob man über den Ausflug schreibt oder sie bekommen mit, wenn ich mich über etwas ärgere. Ein Blog ist kein Tagebuch, er ist öffentlich. Menschen können dich angreifen, manchmal sind sie auch sehr freundlich. Aber dein Leben bleibt nicht, wie es ist! Menschen, die es nur machen, um Geld zu verdienen, sollten es gleich lassen. Man macht einen Blog nicht mal eben nebenbei. Man muss sich jahrelang reinhängen! Aber es ist auch wahnsinnig toll…

Bildquelle: © MeineSvenja

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