Wie Katja ohne Studium ins Volontariat kam – und ins Kultur-Ressort beim Münchner Merkur

Traumberuf, Journalistin: Das steht für Katja schon in der zweiten Klasse fest. Katja schafft schließlich das, wovon viele junge Menschen träumen: Sie ergattert ein Volontariat. Nicht erst nach dem Studium, sondern direkt nach dem Abitur. Heute ist sie Redakteurin beim Münchner Merkur. Wie das alles ging, liest du in diesem Interview.

Mit Begeisterung klappt fast alles

Katja Krafts Worte treffen immer. Ein bisschen wie bei Karla Kolumna, nur besser – also nicht ganz so schrill. Was beide neben ihrem kräftigen Namen und den tiefschwarzen Haaren eint, ist die unermüdliche Begeisterung für den Beruf. Und die sieht man Katja an, sobald das Wort Journalismus fällt. Ihre aparte Körperhaltung scheint stets zu sagen: Ok, gib mir die nächste Story!

Katja Kraft beim Interview mit Howard Carpendale

Wie Katja das Schreiben für sich entdeckte

„Als ich begriffen hatte, dass meine Texte Menschen begeistern, wollte ich das natürlich wieder und wieder tun,“ erzählt uns die heute 28-Jährige. In einem Wirtshaus am Hirschgarten in München sitzt sie uns mit vom Regen durchnässten Sneakers und legerem Kapuzenpulli gegenüber und erzählt, wie sie heute als festangestellte Redakteurin beim Münchner Merkur landete. Sie, die Münsteranerin, für die Bayrisch am Anfang wie eine exotische Sprache klang.

Katjas erste Geschichte landete gleich in der Schülerzeitung

Das erste Mal begeisterte Katja mit einer Geschichte in der Grundschule. Wie wohl alle Zweitklässler in Deutschland, musste sie als Hausaufgabe den Text zu einem Bildercomic erfinden – Thema: Vater und Sohn beim Fischen. Katja erzählte die Geschichte allerdings aus der Sicht des Fisches.

Ihre Klassenlehrerin war von so viel kindlicher Phantasie begeistert und reichte die Geschichte für den Jahresbericht ein. Seitdem arbeitete Katja an der Schülerzeitung mit.

Später radelte sie einmal in der Woche nach der Schule direkt zu einem kleinen Hörfunksender, um dort an Beiträgen zu feilen. Heute winkt sie bei diesen Passagen ihres Werdegangs schmunzelnd ab. Trotzdem: Das meiste hat sie sich selbst beigebracht.

Schülerjob: Zeitung machen statt Zeitung austragen

Während Gleichaltrige damals Zeitungen austragen, schreibt Katja mit 14 Jahren bereits für die Jugendseite der Allgemeinen Zeitung Coesfeld. „Die Schule war dann nur noch zweitrangig“, erinnert sie sich und lacht.

„Als ich in der zwölften Klasse war, habe ich einmal nach der Hälfte der Zeit meine Englisch-Klausur abgegeben, weil ich zu einem ‚wichtigen’ Interview musste. Obwohl ich mit dem Aufsatz noch gar nicht fertig war.“

Rapper Sido mit Katja Kraft beim Interview für den Münchner Merkur

Einzige Voraussetzung für ein Volo: Abitur

Das Abi schaffte Katja aber trotzdem und zog mit 19 Jahren ins schöne Bayern, das sie von Familienurlauben kannte. Dort ergatterte Katja ein Volontariat in der Lokalredaktion vom Starnberger Merkur.

In kleinen Redaktionen wird einem am meisten zugetraut.

Zwar ging es Katja dort oft für ihren Geschmack zu ruhig zu, andererseits bekam sie am nächsten Tag direktes Feedback von den treuen Lesern. „In einer kleinen Redaktion lernt man am meisten. Klar, du berichtest zwar auch darüber, warum jetzt die Seegänse in diesem Jahr am anderen Ufer nisten und nicht wie gewohnt am südlichen, aber man bekommt unheimlich viel mit. Einem wird mehr zugetraut.“

Werde zum Experten auf deinem Lieblingsgebiet

Nach dem Ende des Volontariats war Katjas nächstes Ziel das Studium. Zumindest hatten ihr das die Kollegen empfohlen. Hamburg sollte es sein und etwas, was nichts mit Kommunikationswissenschaften oder Journalismus zu tun hatte.

„Du sollst schließlich zu einem Experten auf deinem Gebiet werden. Journalismus ist ein Handwerk. Wie leere Rezepte, aber was nützen die dir, wenn der Inhalt fehlt?“

Sie entschied sich für Kinder- und Jugendpsychologie, hielt es jedoch in Hamburg nicht lange aus. „Eine herrliche Stadt, aber das Wetter hat mich wahnsinnig gemacht.“ Kurz entschlossen zog sie nach einem halben Jahr zurück ins sonnenverwöhnte Bayern und schloss ihr Studium in Augsburg ab.

Gut, zugegeben – ganz kurz hatte sie Zweifel. Wollte Sie wirklich Journalistin werden? Immerhin hatte sie das seit so vielen Jahren nicht wirklich hinterfragt. Katja: „Die Idee, Kinder- und Jugendpsychologin zu werden, war ein bisschen wie eine Affäre. Die war aber nach einem halben Jahr vorbei und ich bin dem Journalismus treu geblieben.“ 

Ganz nach oben: Interviews mit Sido, Herbert Grönemeyer und Howard Carpendale

Ihr Studium finanzierte sich Katja als freie Journalistin. Währenddessen kamen die ersten Kontakte zur dpa. „Gerade wenn man auf diesen Promi-Veranstaltungen ist, kennt man die anderen Presseleute irgendwann. Und so hat mich eine Kollegin von der dpa damals angesprochen, sie seien gerade auf der Suche.“ Direkt nach dem Studium fing Katja also an, ihre Texte parallel zu verwerten. „Für den Münchner Merkur schrieb ich eine News über das Event und ein Interview mit einem VIP, für die dpa setzte ich eine ‚People Meldung’ über einen anderen Promi auf.“

Mehrfachverwertung: Aus einem Event mach drei bezahlte Stories

Die Angst, als freie Redakteurin zu wenig zu verdienen, kam der 1,76m-Frau nie in den Sinn. Im Gegenteil: „Gerade als Freie konnte ich mir genau das aussuchen, worüber ich schreiben wollte. Meine Freunde amüsierten sich schon alle über mich und fragten, ob das, was ich da mache, überhaupt Arbeit genannt werden kann.“ Oft waren es Abendveranstaltungen, Eröffnungen oder Premieren – Katjas Spezialgebiet ist Film- und Kulturkritik und seit ihrem Studium natürlich alles, was mit Kindern zu tun hat.

Und jetzt?

„Tja, ich bin genau dort, wo ich sein wollte. Als feste Redakteurin schreibe ich die Kulturseite im Münchner Merkur“, sagt Katja keck – und man kann sich vorstellen, mit welchem Charme sie Herbert Grönemeyer oder Sido Interessantes entlockte. Wir sagen: viel Spaß und Erfolg weiterhin!

Alle Bilder © Katja Kraft

Das könnte dich auch interessieren:

,

Victoria Michalczak: Vom Germanistikstudium in die Journalistenschule

/
Victoria ist seit Oktober Teil der 54. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule (DJS) und erzählt uns im Interview von ihrer Aufnahmeprüfung, der Ausbildung und ihren Plänen.

Videojournalismus: So entsteht ein Magazinbeitrag

/
Wer als Journalist erfolgreich trimedial arbeiten will, sollte sich mit den Grundlagen des Videojournalismus auskennen. Wir zeigen, wie ein Magazinbeitrag entsteht.
Zeitung

Marco Eisenack: Dank Journalistenschule endlich in den Traumberuf

/
Nachdem Marco Eisenack eine Journalistenschule besuchte, konnte er seiner Leidenschaft nachgehen: dem Lokaljournalismus. Wir haben im Interview über seine Ausbildung an der DJS gesprochen.
schreibblockaden

5 Tipps, wie du Schreibblockaden in den Griff bekommst

/
Bei einer Schreibblockade geht nichts mehr. Selbst der kreativste Kopf wird zum ideenlosen Häufchen Elend. Hier sind fünf Tipps, wenn du nicht mehr weiter kommst.

Über Katja Kraft:

Mit 19 Jahren kam die Münsteranerin nach München und ist seitdem mehr Münchner Kindl, als manche Einheimischen. Heute arbeitet Katja Kraft im Kultur-Ressort des Münchner Merkurs als Redakteurin.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.