Michael Krawczyk vom BR: Praktika sind wichtiger als das Studium

Mehrere Tausend junge Menschen träumen davon Journalist zu werden. Und das obwohl die Konkurrenz groß und das Gehalt klein ist. Doch wie so oft gibt es auch im Journalismus kein Rezept für Erfolg. Vieles hängt vom Talent ab, einiges kann man lernen. Wer zudem noch einige Punkte beachtet, ist ganz klar im Vorteil, weiß Michael Krawczyk. Der 51-Jährige gibt seit mehreren Jahren Kurse für junge Journalisten an der Akademie der Bayrischen Presse und bei dem  Ausbildungsradiosender M94.5. Uns hat er verraten, worauf angehende Journalisten achten sollten.

  • Studium

    Wer Journalist werden will, muss nicht unbedingt Kommunikationswissenschaft studieren – auch wenn das Viele denken. „Oft ist es besser seinem Bauchgefühl zu folgen und einen Studiengang zu wählen, der einem Spaß macht und einen auch noch nach zwei Semestern interessiert“, empfiehlt Michael Krawczyk. Generell gilt: Es gibt nicht den EINEN Studiengang. Der Entertainer Thomas Gottschalk studierte beispielsweise Germanistik und Geschichte auf Grund- und Hauptschullehramt, während die Fernsehjournalistin Anne Will Geschichte und Politologie belegte.

    “Viele Quereinsteiger haben großen Erfolg in den Medien. Sich besonders gut auf einem bestimmten Gebiet auszukennen, kann von Vorteil sein – muss es aber nicht, denn im Journalismus geht es vor allem darum sich schnell in ein Thema einzuarbeiten. Die Tendenz geht hier definitiv in Richtung „Eierlegende Wollmilchsau“ – man sollte alles irgendwie können.” – Michael Krawczyk  

    Ohne ein abgeschlossenes Studium in den Journalismus einzusteigen, ist heutzutage kaum mehr möglich. Viele Medienhäuser wollen inzwischen einen Bachelor, bevor man für ein Volontariat in Frage kommt.

  • Erfahrungen sammeln

    Schon während des Studiums ist es wichtig, erste Erfahrungen im Journalismus zu sammeln. Gerade für Studenten  gibt es viele Möglichkeiten das auszutesten: ein eigener Blog, Schüler und Studentenzeitungen oder  der Ausbildungssender M94.5 aus München. So merkt man, ob der Beruf wirklich in Frage kommt.

  • Praktikum

    Gerade durch die kurze Dauer des Bachelors ist es wichtig, schon frühzeitig mit Praktika und Hospitanzen anzufangen. Das erste Praktikum dient zur Orientierung: Bin ich eher ein Printmensch, oder fühle ich mich hinter einem Mikrofon wohl? Wenn das erste Praktikum ins Schwarze trifft, ist es sinnvoll sich weitere Praktika in dem Bereich zu suchen und sich zu spezialisieren. „Ist es das nicht, sollte man sich ruhig nach anderen Medien umschauen“, rät Michael Krawczyk.

  • Große oder Kleine Unternehmen?

    Große und kleine Medienhäuser haben beide ihren Reiz. Klar ist es nie schlecht, wenn ein bekannter Name im Lebenslauf steht. Viel wichtiger ist es jedoch Erfahrungen zu sammeln und das kann man in kleinen Unternehmen oft am besten: „Mein erstes Praktikum bei einer Zeitung habe ich beim Nordbayrischen Kurier in Pegnitz gemacht, also in der tiefsten bayrischen Provinz. Ich konnte dort unheimlich viel schreiben, mir wurde aber auch sehr viel wieder umgeschrieben. So habe ich super viel gelernt“, verrät Michael.

  • Allrounder oder Spezialist

    Wer ein bestimmtes Berufsbild zum Ziel hat, sollte auch dabei bleiben. Statt Praktika in verschiedenen Bereichen zu machen, sollte man sich lieber auf ein bis zwei Medien spezialisieren, also zum Beispiel Print und Radio. Wer in den Online Bereich will, muss sich ein bisschen breiter orientieren. Online spielt nicht nur der Text eine große Rolle, sondern auch Ton, Foto und Bild. Online-Journalisten sollten daher zumindest Grundkenntnissen in diesen Bereichen mitbringen. Im besten Fall kennen sie sich auch mit HTML, CSS oder PHP aus, denn Programmieren wird in Zukunft für die meisten Journalisten eine Rolle spielen.

  • Mache Drei bis Vier Praktika

    „Drei bis vier Praktika sind angemessen, bei mehr wäre ich kritisch.  Vorgesetzte sollen nicht denken, dass man nur Praktika machen möchte“, warnt Michael. „Mit 24 Jahren kann man inzwischen schon eine vollausgebildete Arbeitskraft sein. Wer zu dem Zeitpunkt schon zehn Praktika gemacht hat, wird schnell als jemand abgestempelt, der noch nicht weiß wohin es gehen soll“.
    Trotzdem gibt es auch hier keine genaue Regel. Gerade im Journalismus finden Quereinsteiger ihren Platz. Solange man seinen Werdegang erklären kann und klarmacht, warum man in die Medien will, sollte Alter und Anzahl der Praktika kein Hindernis sein.

  • So setzt du dich im Praktikum durch:

    Ein gewisses Handwerk sollte vorhanden sein um sich im Job durchzusetzen. Eine große Klappe und Diskussionsfreude kommt auch gut an. Das heißt nicht, dass man unverschämt sein sollte. Aber man darf sich über sein eigenes Können durchaus im Klaren sein.  Medienunternehmen erwarten von ihren Praktikanten eine gewisse Kreativität. Unter anderem testen sie gerade deswegen laufend Neulinge. „Mein Idealbild eines Mitarbeiters ist jemand, der mich wahnsinnig macht, von dem ich aber auch weiß, dass er gute Mitarbeit leistet. Ich will überrascht werden“, verrät Michael Krawczyk.

Bildquellen: Flickr/ Esther Vargas unter CC BY-SA 2.0, Flickr/ Ritesh Nayak unter CC BY-SA 2.0,  BR/ Theresa Högner

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Über Michael Krawczyk:
Michael Krawczyk hat Theaterwissenschaft und Neue Medien in Erlangen studiert. Danach ging es für den gebürtigen Schwaben in die Landeshauptstadt München. Nach einem Volontariat bei der BLR verschlug es ihn zu Antenne Bayern und dem MDR. Seit inzwischen zwanzig Jahren arbeitet Michael bei B5. Neben seiner Arbeit als Nachrichtenredakteur, arbeitet er zusätzlich für die Bayrische Akademie der Presse, afk M94.5 und doziert an der LMU.

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