Ein Lifestyleblog braucht Ecken und Kanten

Riccardo Simonetti ist Model, Schauspieler, Moderator und dabei immer auch hoffnungsloser Tagträumer geblieben. Im Interview erzählt er: “Ich war ein Teenager, der immer davon geträumt hat, einen Fuß in die Popwelt zu bekommen. Aber wie bekommt man das hin? Ach, ich mach mal einen Blog!” Das Ergebnis ist The fabulous life of Ricci. Wir haben mit Riccardo gesprochen und seine inspirierende, bunte Welt der Popkultur kennengelernt. Sein Tipp: Bloß keine Angst vor Individualität haben!

Riccardo Simonetti

Lieber Riccardo, warum hast du angefangen zu bloggen?

Ich wollte schon immer Teil der Popkultur sein, beziehungsweise habe ich schon immer davon geträumt. Schon während der Schulzeit hab ich eine Radiosendung moderiert, was mir großen Spaß gemacht hat. Nach meinem Abitur wusste ich, dass ich mir etwas Neues suchen muss und habe vor drei Jahren angefangen, meinen Blog zu schreiben. Das war wie eine Ablöse für meine Radiosendung und in einer Zeit, in der Blogs noch nicht Gang und Gäbe waren, vor allem nicht in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin. Deshalb war das etwas Unkonventionelles und ich habe mich vom ersten Tag an erfolgreich gefühlt. Wenn du keine Relation hast und auch sonst niemand aus deinem Umkreis einen Blog schreibt, bist du natürlich um jeden Leser dankbar und deshalb war jede Klickzahl eine gute Klickzahl.

Fashion und Styling ist großer Bestandteil deiner Bloginhalte. Es schreiben aber zahlreiche Beauty-, Fashion- und Lifestyle-Blogger über dieses Thema. Wie sticht man aus der Masse hervor?

Mein Blog ist zwar sehr modeinspiriert, weil ich ein modeinspirierter Mensch bin, aber generell ist es ein sehr persönlicher, textlastiger Blog. Das ist auch der Unterschied zu den meisten Modeblogs. Ich schreibe wirklich, wirklich viel. Auch über private, persönliche Gedanken. Beispielsweise Texte über Selbstbewusstsein, Selbstverwirklichung oder Selbstakzeptanz. Aber ich teile auch meine persönliche Leidensgeschichten, über Essstörungen oder Diskriminierung, mit meinen Lesern. Weil ich ehrlich und authentisch meinen Werdegang dokumentiere, mögen meine Leser meinen Blog gerne. Er ist ungefiltert und man bekommt das Gefühl, dass da eine Persönlichkeit dahinter steckt. Es sind nicht nur schöne Bilder, dazu zwei bis drei Zeilen, die mit einem Affiliate Programm verlinkt sind. Es geht mir wirklich um eine persönliche Botschaft und ich glaube, das wissen meine Leser auch zu schätzen.

Du hast schon als Teenager angefangen, für die lokale Presse zu schreiben, hattest deine eigene Radioshow und hast Ausflüge ins Fernsehen gemacht. Warum bist du nicht bei diesen eher klassischen Medien geblieben, sondern wurdest Blogger?

Ich wollte den Weg in die Branche möglichst selbstständig und schnell gehen. Ich habe beim Radio gearbeitet, war beim Bayrischen Rundfunk, bei der InStyle. Eine lange Zeit bei den klassischen Medien also. Aber ich wollte etwas Eigenes machen. Und da man einen Blog einfach so selbstständig gründen kann, dachte ich, es ist der beste Weg. Ein eigenes Projekt, mit eigenem Fingerabdruck und eine eigene Marke kreieren, die ich immer sein wollte. Natürlich arbeite ich immer noch mit klassischen Medien zusammen. Mache Sachen fürs Fernsehen, aber diesmal eher vor der Kamera. Ich habe eine Kolumne für ein Onlinemagazin geschrieben. Ich versuche immer noch, mit klassischen Medien zusammenzuarbeiten, aber als eigenständige Marke.

Hast du Fehler am Anfang gemacht, die andere vermeiden sollten?

Ich kann nicht genau sagen, ob es ein Fehler ist, aber ich habe am Anfang meinen Blog eher für mich geschrieben und deshalb auch die bildliche Gestaltung lange nicht so professionell betrieben. Es ging mir mehr um die Texte. Einen Ratschlag, den ich Anfängern geben würde ist, dass, sie den Blog von Anfang an möglichst professionell aufziehen sollten. Man braucht eine eigene Domain und die Gestaltung sollte hochwertig sein. Das kommt bei Lesern immer gut an und hinterlässt einen professionellen Eindruck, auch für andere Medien, die einen eventuell dadurch entdecken.

Wie erstellst du in der Regel deine Bloginhalte?

Meine Blogeinträge sind vom Tagesgeschehen abhängig. Früher bin ich morgens aufgestanden und habe meine Blogeinträge vorbereitet. Inzwischen habe ich sehr viel zu tun und mache das an ein bis zwei Tagen in der Woche. Ich schreibe dann für die Woche vor und verfasse mehrere Posts hintereinander. Ein Advertorial, das ich einfach nur online stelle, geht natürlich schneller, als eine persönliche Kolumne. Manchmal habe ich eine Geschichte über Wochen oder Monate im Kopf und kann sie erst aufschreiben, wenn ich die richtige Inspiration dafür finde. Das ist wirklich komplett unterschiedlich. Aber ich versuche, wenn ich mich hinsetze und schreibe, alles an einem Stück zu schreiben. Das kann schon mal ach bis 1 Stunden dauern. Aber da es sehr lange, intime Texte sind, will man natürlich, dass der richtige Schliff sitzt.

Du nutzt viele Social Media-Kanäle. Wie wichtig ist das gerade für Blogger?

Ich nutze Social Media sehr viel, weil ich nicht jeden Tag einen neuen Blogpost veröffentliche. Das Wichtigste ist für mich Instagram (@riccardosimonetti). Früher habe ich dort sechs Bilder am Tag gepostet. Das habe ich mittlerweile ein bisschen runtergefahren, weil es ein bisschen viel war. Mein Instagram ist wie meine Reality Show. Jeder kennt das vom Fernsehen, wenn der Sender kein spannendes Programm abliefert, schaltet man um. Und damit das nicht passiert, sorge ich dafür, dass meine Follower immer was Neues, Aufregendes, Unterhaltsames, Schönes oder Interessantes zu sehen oder lesen bekommen. Zudem benutze ich Snapchat ziemlich aktiv, das ist eine App, die gerade ziemlich populär ist. Ich weiß nicht, ob sie in einem Jahr noch relevant sein wird, aber im Moment ist es gut, um eine persönliche Bindung zu seinen Followern aufzubauen. Man kann dort zeigen, wie man wirklich ist. Ohne Filter und ohne gestellte Bilder! Zudem benutze ich natürlich Facebook, auch wenn es ein bisschen oldschool ist. Aber man erreicht damit immer noch andere Leute als mit Instagram. Das Publikum ist etwas älter und spricht eher deutsch. Twitter habe ich auch, benutze es aber eher in Verbindung mit Instagram. Die Reihenfolge der Relevanz meiner Social Media-Kanäle ist für mich: Instagram, Facebook, Snapchat, Twitter.

Gibt es No-Gos im Umgang mit Social Media?

Ich spreche mich ungern für No-Gos aus. Jeder soll machen, was er möchte, wenn es ihm das Gefühl gibt, authentisch zu sein. Wenn ich etwas sagen müsste, dann fände ich es dumm, wenn man Follower kauft. Das ist unfair den Leuten gegenüber, die es ehrlich machen und es ist Selbstbetrug.

Ist die Präferenz für Instagram gerade als Fashionblogger zentral?

Ich mag Instagram sehr gerne, weil man Bilder mit lustigen Unterschriften verknüpfen kann. Die Gestaltung sieht sehr schön aus, im Vergleich zu anderen Social Media Kanälen. Ich glaube, dass Instagram ein junges, modeaffines Publikum anspricht. Aber generell muss jeder Blogger sein eigenes, stärkstes Medium finden. Für mich ist es halt Instagram, für andere ist es Facebook.

Bereitest du deine Inhalte auf den verschieden Kanälen unterschiedlich auf?

Ja. Auf Snapchat gebe ich mich sehr persönlich, weil mein Publikum es verdient hat, dass ich mich persönlich zeige. Auf Instagram versuche ich das Ganze ein wenig international zu halten und auf Englisch zu schreiben, weil man eben auch Follower aus dem Ausland hat. Das gleiche Bild teile ich dann auf Facebook, aber mit einer deutschen Bildunterschrift. Weil ich weiß, dass mein Publikum auf Facebook hauptsächlich aus Deutschen besteht. Und es ist auch ein älteres Publikum als auf Instagram und da spricht nicht jeder perfektes Englisch.

Wie organisierst du dich, um regelmäßig auf allen Kanälen Beiträge zu veröffentlichen?

Das ist eine gute Frage. Ständig am Handy sein, würde ich mal sagen. Alles fotografieren, was interessant sein könnte und was vielleicht auch später verwendbar ist. Und immer genügend Reserveakkus dabei haben!

Über welches CMS läuft dein Blog?

Ich war früher bei Blogspot, bin aber auf WordPress umgezogen. Das kann ich sehr empfehlen, da es viele verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten bietet und im Google-Ranking besser ankommt.

Was sollten Blogging-Neulinge beachten, wenn sie erste Einnahmen generieren wollen?

Vielleicht sollten sie auch mal ganz bewusst auf Firmen zugehen und nach Kooperationen fragen. Ich weiß noch, die ersten 50 Euro die man verdient, fühlen sich toll an. Und deswegen kann ich den Leuten nur empfehlen, dass die auch mal aktiv auf Marken zugehen und sich selber Konzepte überlegen, mit denen sie anklopfen. Hat noch niemandem geschadet, sein Schicksal selber in die Hand zu nehmen.

Was ist dein schönstes Blogging-Erlebnis bisher?

Ich habe meinem Blog wirklich, wirklich viel zu verdanken! Durch ihn kann ich machen was ich immer wollte: Mich als der Mensch ausleben, der ich wirklich bin, ohne mich dafür zu rechtfertigen. Ich werde für die Eigenschaften geschätzt, für die ich in der normalen Welt kritisiert werde. Ich bin meinen ganzen Lesern, meinem Publikum, beziehungsweise meinen Fans, dankbar. Jeden Tag, wenn ich auf der Straße angesprochen werde, um ein Foto gebeten werde oder persönliche Worte oder Fanpost bekomme, geht mir das Herz auf. Und das motiviert zum Weitermachen, weil die Menschen so viel positive Energie daraus ziehen. Man kann den Menschen viel Selbstbewusstsein mitgeben.

Ich habe gemerkt, dass die Leute versuchen, Mode oder Modeblogs als etwas Oberflächliches abzustempeln. Aber wenn man sich öffnet, ehrlich und authentisch ist, dann bekommt man auch ehrliches Feedback. Und auch dafür bin ich sehr dankbar! Ich durfte als Gastdesigner eine Blumenkranzkollektion entwerfen oder habe als Blogger ein Magazincover bekommen.  Das ist toll! Ich könnte mich nicht für eine Sache entscheiden, weil es zu viel ist und ich sie nicht miteinander vergleichen möchte. Positive Energie, Blumenkranzkollektion, Magazincover sind alles Highlights und ich hoffe, dass noch sehr viel mehr kommen.

Welche Tipps möchtest du angehenden Bloggern mit auf den Weg geben?

Habt keine Angst vor Individualität! Nicht nur imitieren, was gut ankommt. Große Leute haben es nicht geschafft, weil sie versucht haben, anderen hinterherzueifern, sondern, weil sie etwas Eigenes dargestellt haben. Dafür sollte ein Blog auch da sein. Um seine eigene Meinung, seine eigene Weltanschauung oder Stil mit den Leuten zu teilen. Das auf eine möglichst ehrliche und authentische Art und Weise. Und ich glaube, dass das nicht nur den größten Erfolg generiert, sondern auch einen selber stärker und selbstbewusster macht und auch in der persönlichen Entwicklung fördert. Deshalb ist das ein Ratschlag, den ich allen mit auf den Weg geben möchte!

Bildquelle: Alle Bilder © Christian Hasselbusch / Riccardo Simonetti

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