Streetstyleblog: Trends der Straße

Bei Streetstyles geht es um die tatsächlich getragene Kleidung und den ganz persönlichen Stil, fernab von Laufstegen und Hochglanzmagazinen. Das ist auch für Modeblogger interessant. Bojan hat den Blog The Stylish Citizen. Für ihn zählen Individualität, Persönlichkeit und Kreativität der Leute. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie man ganz normale Menschen zu Models einer digitalen Zeit macht.

Lieber Bojan, kannst du dich und deinen Blog “The Stylish Citizen” bitte einmal vorstellen?

Hauptberuflich bin ich Marketingmanager bei einem Kino- und TV-Vertrieb. Meinen Streestyleblog gibt es schon seit 5 Jahren. Fotografieren ist ein Hobby von mir. Fotos mache ich hauptsächlich in München, manchmal aber auch in anderen Städten, wenn ich auf Reisen bin. Es geht mir nicht nur Style, sondern um die Menschen. Ich möchte einfach tolle Fotos mit interessanten Menschen machen, die coole Klamotten anhaben.

Warum hast du angefangen zu bloggen?

Ich habe mir fast jeden Tag die Fotos auf dem Blog “The Sartorialist” angeschaut und war immer sehr fasziniert von den Leuten. Dann habe beschlossen, dass ich das selber machen will und habe Schritt für Schritt angefangen. Fotografiert hatte ich früher schon. Ich wollte eigentlich sogar mal Fotografie studieren, aber das hat aber leider nicht geklappt. Mit dem Blog habe ich dann wieder mit der Fotografie angefangen.

Was waren die ersten Schritte beim Blogstart?

Die ersten Schritte waren sehr technisch. Ich musste herausfinden, wo man einen Blog starten kann. Ich habe nach einem passenden Namen gesucht und ein Logo entwickelt. Gleich am Anfang habe ich mir auch noch eine neue Kamera gekauft. An Freunden habe ich geübt und ausprobiert, wie die Fotos aussehen. Als der Blog fertig war, war ich sehr stolz. Ich wollte gleich am nächsten Tag in die Stadt gehen und fotografieren. Dann kamen die ersten Leute auf mich zu, die ich interessant fand, aber ich habe mich nicht getraut sie anzusprechen. Das war so frustrierend, da ich doch alles so lange recherchiert und vorbereitet hatte. Aber es ging nicht. Dann habe ich zu mir selbst gesagt, man kann nicht alles auf einmal können, da muss ich noch lernen. Ich habe mich hingesetzt und einen Kaffee getrunken und am nächsten Tag nochmal probiert.

Zur Zeit bist du nicht mehr so aktiv auf dem Blog wie früher. Was gibt es für Veränderungen?

Als ich angefangen habe zu bloggen, war ich total motiviert und sehr aktiv. Jedes Wochenende bin ich raus gegangen, um zu fotografieren. Manchmal auch zusätzlich unter der Woche. Ich hatte den Gedanken irgendwann davon leben zu können und wollte meinen Blog bekannter machen. Ich habe viel gepostet und kommentiert. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass das nicht funktionieren wird, dass man davon lebt. Meine Anzeigen bringen vielleicht 2 oder 3 Euro im Monat. Wer erfolgreich sein will, der muss sehr viel Arbeit investieren. Mal abgesehen von den Fotos, muss man sich connecten, viel kommentieren und auf Social Media präsent sein. Das wurde mir schnell zu viel. Ich wollte auf keinen Fall den Spaß daran verlieren und deshalb habe ich beschlossen, dass ich zwar weitermache, aber im gemäßigten Tempo. Die Anzahl meiner Posts geht zwar nach unten, aber ich denke dafür steigt die Qualität und das ist mir sehr wichtig. Ich habe nicht vor damit aufzuhören, aber ich mache es nur noch dann, wenn ich Lust dazu habe.

Warum setzt du auf Streetstyle und zeigst nicht deine Outfits?

Es gibt zum einen die Modeblogger, die sich selbst fotografieren. Zum anderen die klassischen Streetstyleblogs wie der von Scott Schuman. Ich war von Anfang an von den Leuten auf der Straße begeistert. Ganz am Anfang habe ich auch mal ein paar Bilder von mir gemacht, aber das ist nicht so meins. Streetstyles haben mir einfach besser gefallen.

Warum ist es dir so wichtig so zu bleiben wie du bist, wenn die Blogger die sich selbst in Szene setzen oft sehr erfolgreich sind?

Da sprichst du etwas sehr wichtiges an. Ich habe mich mit dem Blog zum ersten Mal tiefer mit Mode und Stil auseinandergesetzt. Es ist eine sehr interessante Welt, aber ich empfinde sie auch zum Teil sehr oberflächlich. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Ich muss nicht davon leben, sondern es ist mein Hobby. Und diese Unabhängigkeit erlaubt mir, dass ich meinen Blog so gestalte wie ich das möchte.

Wie reagieren die Menschen, wenn du sie auf der Straße fotografieren willst?

So wie du auf die Leute zugehst, so reagieren sie. Am Anfang war ich relativ forsch. Ich wollte unbedingt mehr Fotos und mehr Leute ansprechen, da gab es viel Ablehnung. Jüngere Leute reagieren entspannter als ältere, weil sie sofort wissen um was es geht wenn ich “Streetstyleblog” sage. Auch in anderen Ländern ist es einfacher als in Deutschland. Hier sind die Leute skeptischer. Mittlerweile spreche ich aber auch nicht mehr jeden an. Es muss eine Art Verbindung geben und wenn das so ist, dann reagieren die meisten auch sehr entspannt.

Was sind die Schwierigkeit der Streetstylefotografie?

Ich brauche eine schöne Umgebung, um die Menschen zu fotografieren. Für die Fotos würde ich mir Ecken aussuchen in denen kaum Leute unterwegs sind. Dort kommt aber logischerweise niemand vorbei, den ich fotografieren will. An belebten Plätzen ist die Auswahl natürlich größer, aber das Setting ist dann nicht das passende. Das richtige Mittelmaß zu finden, ist die Kunst.

Welche Eigenschaften hat ein Blog den du selber liest?

Ich verfolge eigentlich nur Fotoblogs, die relativ schlicht ausgebaut sind. Die Fotografen haben einen ganz individuellen Blick auf die Leute und ihre Fotos einen ganz besonderen, eigenen Stil.

Die Bilder sind das Wichtigste an deinem Blog. Welche Kamera verwendest du?

Ich habe die Canon EOS 5D Mark II. Das ist eine Vollformat Profikamera.

Worauf kommt es dir bei einem gelungen Bild an?

Ich lerne in diesem Bereich immer noch! Am Wichtigsten ist der Zugang zu den Menschen. Manchmal ist die Person, die man fotografieren möchte, unentspannt. Sie sind aufgeregt und das sieht man auf den Fotos. Das versuche ich zu vermeiden. Man braucht ein gutes Setting und die Einstellung müssen in einer möglichst kurzen Zeit stimmen. Man möchte ja die Leute nicht lang stören.

Wie gehst du konkret vor, wenn du einen Post verfasst?

Ich verwende bei den Bildern nicht das JPEG-Format, sondern die RAW-Files. Das bedeutet, dass noch viel bearbeite. Die eine Hälfte der Zeit fotografiere ich und mindestens nochmal so lange bearbeite ich die Bilder. Diese muss ich dann noch auf die richtige Größe anpassen. Ich habe meinen eigenen Server, da lade ich die Bilder hoch, schreibe etwas dazu und vergebe Labels. Früher war es nämlich so, dass wenn man die Bilder direkt bei blogger hochgeladen hat, wurden die Bilder dann komprimiert. Dann waren sie nicht mehr so schön. Ich weiß nicht ob sich das inzwischen geändert hat. Wenn die Bilder auf dem Blog sind teile ich sie auf Facebook und Twitter.

Verwendest du nur diese beiden social Media-Kanäle?

Ja nur die beiden. Facebook ist am wichtigsten für mich. Ich würde sagen so circa 80% der Leser kommen darüber auf meinen Blog. Instagram wäre sicher auch sehr wichtig. Aber das ist dann noch eine Sache mehr, die ich betreuen müsste. Einen Account zu eröffnen und dann nicht aktiv zu sein, bringt auch nichts. Vielleicht kommt das irgendwann einmal.

Verdienst du etwas mit deinem Blog?

Im Jahr so 10-12 Euro insgesamt. Ich habe Google AdSense, aber die Einnahmen decken nicht einmal meine Serverkosten. Aber durch den Blog haben sich schon andere Jobs ergeben. Ich wurde schon ein paar Mal von Zeitschriften angeschrieben, ob ich nicht für sie fotografieren wollen würde.

Hast du dich bewusst gegen Kooperationen entschieden?

Nein, die haben sich nie ergeben. Viele Blogger die mit mir zur gleichen Zeit angefangen haben und teilweise schlechtere Fotos als ich haben, sind inzwischen erfolgreicher. Die verdienen richtig Geld. Ich muss zugeben, dass ich kommerziell nicht sehr erfolgreich bin.

Was ist dein schönstes Blogging-Erlebnis bisher?

Wenn du merkst, dass du mehr Reichweite erreichst. Irgendjemand kommentiert oder teilt deinen Post und auf einmal gehen die Zahlen hoch. Konkreter kann ich das nicht sagen, aber das macht einen sehr stolz.

Was ist deine Inspirationsquelle?

Der Blog “The Sartorialist” war mein Beweggrund den Blog zu starten. Ansonsten mag ich Modefotografie und Zeitschriften sehr gerne.

Welche Tipps möchtest du angehenden Bloggern mit auf den Weg geben?

Das Wichtigste ist, dass man sein eigenes Ding macht. Wenn jemand lange überlegt, ob er es überhaupt machen soll oder wie genau man einen Blog angeht, dann ist das verschwendete Zeit. Man muss einfach mal losgehen und seine Erfahrungen machen. Man merkt schnell, ob es etwas ist, das einem Spaß macht oder nicht. Man lernt sehr viel dabei. Am Anfang habe ich doch erzählt, dass ich mich nicht getraut habe Leute auf der Straße anzusprechen. Das ist heute kein Problem mehr. Deshalb ist mein Tipp: Do it!

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